Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Claudia Burkard

Alles digital, oder was?

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, mit einer Kollegin Gast in der Staatlichen Gewerbeschule – Energietechnik, G10 in Hamburg zu sein, um „live“ den Einsatz der Kompetenzwerkst@tt, einem digitalen Lerntool, zu verfolgen.

Nachdem die grundsätzlichen Erwartungen an digitale Lernmedien teilweise enorm sind, mindestens genauso lang aber auch die Liste der mit ihnen einhergehenden Befürchtungen, wollten wir uns ein eigenes Bild machen, wie EdTech in der dualen Ausbildung ganz praktisch eingesetzt werden kann.

Einerseits wird mit Digitalisierung ja nichts weniger als die Hoffnung verbunden, nahezu alle Bildungsprobleme lösen zu können und allen Menschen den Zugang zu Bildung und damit Teilhabe zu ermöglichen. Kombiniert mit Effizienzversprechungen (schneller, billiger, individueller) scheint für manche das bislang dagewesene, allen voran der klassische Präsenzunterricht, in Kontext von Schule und Ausbildung der Vergangenheit anzugehören.

Auf der anderen Seite werden Kritiker nicht müde, vor der Techniklastigkeit der digitalen Lernmedien und der damit vermeintlich einhergehenden Technologisierung von Bildungsprozessen zu warnen. So seien Lernplattformen, Multimediaangebote etc. zwar technisch anspruchsvoll aber häufig ohne das entsprechende mediendidaktische Wissen entwickelt worden. Zudem setze E-Learning in der Regel ein zu hohes Maß an Eigendisziplin bei den Lernern voraus.

Beide Seiten werden dabei der Tatsache nicht gerecht, dass sich unter der Bezeichnung „Digitale Lernmedien“ die unterschiedlichsten Formen und Funktionen von E-Learning subsumieren, die jeweils kontextspezifisch betrachtet werden müssen und sich damit pauschalen Zuschreibungen entziehen.

Im Falle der Kompetenzwerkst@tt konnten wir beobachten, wie Lehrlinge der Fachrichtung Elektroniker – Energie- und Gebäudetechnik im Rahmen ihres Berufsschulunterrichtes in persönlichem Austausch miteinander sowie unter Nutzung des E-Learning-Angebotes Kompetenzwerkstatt Lernaufgaben gelöst haben. Einige Auszubildende haben dabei gemeinsam die Herausforderungen der Aufgabe diskutiert und ganz analog mögliche Lösungswege mit Zettel und Stift skizziert. Andere nutzten die Kompetenzwerkstatt zur Recherche und Überprüfung ihrer Annahmen. Die beiden Lehrkräfte beantworteten Nachfragen und konnten dort unterstützen, wo einzelne Azubis nicht weiter wussten. Als Organisatoren der Lernsituation hatten sie im Blick, bei wem ihre Hilfe benötigt wurde und wo Lehrlinge selbstständig ihren Lernprozess gestalten konnten.

Deutlich wurde: Die digitalen Technologien haben nicht den Diskurs zwischen Lehrenden und Auszubildenden oder zwischen Auszubildenden untereinander ersetzt. Sie wurden als selbstverständliches Lernmedium eingesetzt und von den Auszubildenden weitgehend selbstständig genutzt. Als Bindeglied zwischen Fachsystematik und Arbeitsprozessorientierung kann dabei die Kompetenzwerkstatt im Kontext von gewerblich-technischer Berufsausbildung die Verzahnung beider Ansätze der beruflichen Bildung ermöglichen. In der Nutzung der Lernsoftware brauchen schwächere Schüler aber ggfs. Unterstützung und tendierten zunächst eher zur persönlichen Lehr-/Lernsituation.

Jenseits pauschaler Erwartungen oder Befürchtungen in Bezug auf Digitalisierung konnten wir eine gelungene Unterrichtssituation miterleben, in der sowohl Potenziale eines Digitalen Lernmediums zum Tragen kamen als auch direkte soziale Interaktion stattfand.

Wer sich selbst ein Bild von der Kompetenzwerkstatt machen möchte, findet nähere Informationen unter: http://www.kompetenzwerkstatt.net/