Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Lars Thies

Berufliche vs. akademische Bildung: Ein Studium zahlt sich aus

Alle Jahre wieder …. Wenn die OECD ihre Zahlen von “Bildung auf einen Blick” vorstellt, kommt Deutschland bei der Akademikerquote schlecht weg. Nach Schätzung der OECD werden 31 % der jungen Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens ein Studium abschließen. Im Durchschnitt der OECD liegt dieser Wert bei 38 %. Die Reaktion in Deutschland darauf ist auch immer die gleiche. Die OECD wird dafür kritisiert, dass sie die duale Berufsausbildung unterbewerte. Und es ist ja auch so: was in Deutschland im Rahmen von anspruchsvollen dualen Ausbildungen vermittelt wird, wird in anderen Ländern oft in einem Studium gelernt. Die Akademikerquote hat im Vergleich also nur begrenzte Aussagekraft.

Einkommensvorteil von Akademikern

Der Wirbel, der jedes Jahr um die Einordnung der dualen Ausbildung gemacht wird, lenkt aber von den eigentlich interessanten Ergebnissen ab. Interessant fand ich eine andere Zahl in dem OECD-Bericht, die etwas über das Verhältnis von beruflicher Bildung zu Hochschulbildung aussagt. Die Einkommen von Menschen mit akademischen Abschlüssen haben sich gegenüber denen mit beruflichen Abschlüssen in den letzten Jahren deutlich erhöht. Verdienten Arbeitskräfte mit einem Hochschulabschluss im Jahr 2000 durchschnittlich etwa 45 % mehr als Personen ohne einen solchen Abschluss, so waren es im Jahr 2012 bereits 74 %. Diese Kluft ist in Deutschland höher als in anderen Ländern. Der OECD-Durchschnitt für den Einkommensvorteil von Studienabschlüssen lag 2012 bei nur 59 %.

Das sind natürlich Durchschnittswerte, und es gibt genügend Beispiele dafür, dass beruflich Ausgebildete besonders zu Beginn ihres Arbeitslebens mehr verdienen als mancher nach seinem Studienabschluss. Über das ganze Erwerbsleben hinweg zahlt sich ein Studium aber in der Regel aus.

Was heißt das für das Verhältnis von beruflicher zu akademischer Bildung? Für junge Menschen, die sich entscheiden können, ist es nur vernünftig ein Studium anstelle einer Berufsausbildung aufzunehmen, weil hinterher bessere Beschäftigungs- und Verdienstchancen warten. Wenn sich daran nichts ändert, werden junge Menschen mit den Füßen in Richtung Studium abstimmen und man kann es ihnen nicht verdenken.

Herausforderungen für das Verhältnis von beruflicher Bildung zu Hochschulbildung:

  1. Ich denke, gerade weil ein Studienabschluss bessere Perspektiven bietet, sollte die Durchlässigkeit zwischen beruflicher Bildung und Hochschulbildung und dabei vor allem die Studiermöglichkeiten von beruflich Ausgebildeten gefördert werden. Warum sollte ihnen nicht die Chance gegeben werden, von den besseren gesellschaftlichen Teilhabemöglichkeiten, die ein Studium bietet, zu profitieren? Die bisherige Möglichkeit, für beruflich Qualifizierte ohne Hochschulzugangsberechtigung nach mindestens drei Jahren Arbeitserfahrung ein fachverwandtes Studium aufnehmen zu können, reicht glaube ich nicht aus. Sie wird auch nur von sehr wenigen beruflich Qualifizierten in Anspruch genommen.
  2. Für die (Fach-)Hochschulen heißt es, mehr Studienmöglichkeiten mit starkem Praxisbezug anzubieten, z. B. in Form von dualen Studiengängen. Einerseits wird der Praxisbezug von vielen Studenten wertgeschätzt, andererseits werden praktische Erfahrungen von vielen Arbeitgebern gesucht. Duale Studiengänge etwa bieten exzellente Arbeitsmarktchancen. Zudem werden sich in den kommenden Jahren einige anspruchsvolle duale Ausbildungsberufe etwa im technischen Bereich vermutlich akademisieren, d. h. sie werden dann in Form von Studiengängen angeboten.
  3. Oft wird als Herausforderung formuliert, dass die duale Ausbildung gegenüber dem Studium attraktiv bleiben, bzw. erhalten werden müsse, weil sich immer weniger junge Menschen für die Ausbildung entscheiden. Dazu kann man nur immer wieder betonen: Es gibt genügend junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden. Sie leben vielleicht nicht in der Region, in der Auszubildende gesucht werden. Sie bringen vielleicht auch nicht immer die von den Unternehmen gewünschten Schulabschlüsse mit. Diese Hindernisse lassen sich aber mit einer flexibleren Gestaltung der dualen Ausbildung und mehr Unterstützung für Azubis und Betriebe überwinden. Die Herausforderung liegt viel eher darin, diese Unterstützung zu gestalten und möglich zu machen als die duale Ausbildung gegenüber dem Studium “konkurrenzfähig” zu machen.