Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Lars Thies

Berufliche vs. akademische Bildung? Ihre Meinung ist gefragt!

Das Verhältnis von beruflicher und akademischer Bildung hat sich in den letzten Jahren kräftig verschoben. Noch 1999 haben mehr als doppelt so viele junge Menschen eine duale Ausbildung aufgenommen wie ein Studium. Im letzten Jahr haben sich erstmals so viele als Erstsemester an einer Hochschule eingeschrieben, wie eine Berufsausbildung aufgenommen haben. Ein Ende dieser Entwicklung ist erst mal nicht in Sicht. Daher knirscht es im Gebälk. Universitäten mangelt es an Kapazitäten, um der Flut an Studienanfängern Herr zu werden, während Betriebe darüber klagen, dass sie händeringend Bewerber für ihre Ausbildungsplätze suchen, für die sie bis vor kurzem noch die Besten rauspicken konnten. Ist das jetzt ein neuer Wettbewerb zwischen beruflicher und akademischer Bildung? Müssen wir im Sinne des “Bachelor for All” alle auf die Uni schicken oder die duale Ausbildung vor dem Bedeutungsverlust schützen?

Studium vs. Ausbildung

Das Denken in einer Konkurrenz zwischen beiden Bildungsbereichen führt nicht weiter. Wir haben uns in Deutschland schon zu lange auf der Trennung von Berufsausbildung und Hochschulbildung ausgeruht. Sie funktionieren noch immer nach unterschiedlicher Logik und haben wenige Berührungspunkte. Bildlich ist derjenige, der eine Berufsausbildung aufnimmt, auf einem anderen Gleis unterwegs, als jemand, der ein Studium beginnt. Die entscheidende Weiche erreichen immer noch viele bereits in der 4. Klasse mit der Gymnasialempfehlung. Übergänge zwischen den Gleisen zu einem späteren Zeitpunkt sind selten und für den Einzelnen mühsam.

Junge Menschen verändern ihre Bildungsentscheidungen schneller, als Bildungsplaner und Bildungspolitiker Schritt halten können. Sie wollen immer weniger auf eines der Gleise festgelegt sein. Studienabbrecher nehmen eine duale Ausbildung auf, und junge Menschen mit Berufsabschluss beginnen ein Studium. Eine wachsende Zahl fährt zweigleisig und nimmt Bildungsangebote wahr, die eine Berufsausbildung und ein Studium kombinieren. Anstatt die eine oder andere Seite im Konkurrenzkampf von beruflicher und akademischer Bildung anzufeuern, sollten wir daher lieber darüber reden, wie beide Bereiche sinnvoll zusammenspielen können; wie dem Einzelnen möglichst große Freiräume eröffnet werden können, seine Bildungsentscheidungen selbst zu treffen; wie wir verhindern können, dass viele junge Menschen ganz abgehängt werden.

Wir sollten in Deutschland eine Debatte über das künftige Verhältnis von beruflicher und akademischer Bildung führen, die über Schlagworte wie “Sackgasse Berufsausbildung” oder “Akademisierungswahn” hinausgeht. Der Wissenschaftsrat hat die Debatte vor ein paar Monaten bereits eröffnet, in dem er  Empfehlungen zur Gestaltung des Verhältnisses zwischen beruflicher und akademischer Bildung veröffentlicht hat. Er empfiehlt unter anderem mehr Kooperation zwischen den Bildungsbereichen, mehr Unterstützung und bessere Anrechnungsmöglichkeiten für Wechsler sowie den Ausbau von hybriden Bildungsangeboten.

Wir (das Team um den Blog “Aus- und Weiterbildung”) wollen die Debatte aufgreifen. In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns immer wieder mit Fragen zum Verhältnis von beruflicher und akademischer Bildung beschäftigen. Wie sieht dieses Verhältnis in Zukunft aus? Wie kann die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung erhöht werden? Welche Rolle spielen künftig Bildungsgänge, die beide Bildungsbereiche verknüpfen, wie das duale Studium? Was ist eigentlich mit denen, die bisher weder eine berufliche noch eine akademische Ausbildung aufnehmen?

Wir würden uns freuen, wenn Sie mit uns auf dem Blog darüber diskutieren oder uns auch gerne Ihre Anmerkungen und Ideen per Mail schicken http://blog.aus-und-weiterbildung.eu/kontakt/.