Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Monika Fischer

Einfach gute Weiterbildung – nur wie? Mit einem konsequent an den Bedürfnissen der Weiterbildungspraxis ausgerichteten Online-Portal!

Gute Weiterbildung fängt bei der Gestaltung von Lernangeboten an. Denn die pädagogische Qualität der Angebote ist der zentrale Qualitätsausweis eines Anbieters. Um Lehrkräften der Weiterbildung ein fundiertes Angebot zur Erweiterung eigener Kompetenzen anzubieten und dadurch die Professionalitätsentwicklung zu unterstützen, entwickeln das DIE (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung; www.die-bonn.de) und die Bertelsmann Stiftung ein offenes Online Portal. Ergebnisse erster Praxistests wollen wir hier vorstellen.

Wenn Sie sich an weiteren Praxistests beteiligen wollen, melden Sie sich bei unserer Google Group an (http://blog.aus-und-weiterbildung.eu/kontakt) oder kommentieren Sie unseren aktuellen Designstand online (http://bit.ly/wbweb).

Von der Idee zum Konzept: Was wünschen sich WeiterbilderInnen von einem Online Portal

Welche Inhalte erwarten sich Lehrkräfte der Weiterbildung auf unserem Online-Portal? Dieser Frage hat das Projektteam anhand einer Online-Umfrage und Fokusgruppe nachgespürt. Dank der Hilfe der Online Community zur Weiterbildung gelang es über 1300 Personen für eine Teilnahme an der Umfrage zu gewinnen. Zudem unterstützten die VHS Gütersloh (www.vhs-gt.de) und die VHS Frankfurt (www.vhs.frankfurt.de) uns bei der Durchführung von zwei Fokusgruppen, innerhalb derer wir den aktuellen Konzeptionsstand auf Herz und Nieren testeten.

Was WeiterbildnerInnen wollen? Einfach gute Weiterbildung gestalten!

Wenn es nach den befragten Personen geht, könnte die Weiterbildung in Deutschland um einiges besser sein. So ist es ihr ausdrückliches Ziel „einfach gute Weiterbildung“ anzubieten. Dazu benötigen sie aber fundiertes Wissen über Lehr- und Lernmethoden sowie Lehr- und Lernkonzepte. Auch Wissen zur Gestaltung der Interaktion mit erwachsenen Lernern wird stark nachgefragt. So zeigt sich: Gerade der Umgang mit der Heterogenität der erwachsenen Lerner ist eine der größten Herausforderungen im erwachsenenpädagogischen Alltag: Schließlich müsse man mit einer „quasi unendlichen Palette herausfordernder Teilnehmer zurecht kommen“, wie es eine Lehrkraft auf den Punkt bringt. Wenig erstaunlich ist es daher, dass an dritter und vierter Stelle der Wunschliste Wissen über Lernprozesse sowie Lernbarrieren aber auch die Beratung der Lernenden steht. Aus Sicht der Befragten reicht es allerdings nicht ihnen qualitativ hochwertiges Wissen zur Verfügung zu stellen. Der Zugang müsse flexibel möglich sein – jederzeit und überall in ansprechender Form. Knackig aufbereitete Wissensbausteine, so wie von uns geplant, würden hier genau den Nerv treffen.

Einfach gute Weiterbildung machen: Es braucht gute Materialien und gute Praxis

Um gute Weiterbildung zu machen, braucht es neben professionellen Lehrkräften auch zielgruppengerechte Lehrmaterialien und Unterrichtskonzepte. Open Educational Resources – als freie Bildungsmaterialien, die je nach Bedarf problemlos verbreitet, verbessert und weiterverarbeitet werden können sind das Top-Thema in unserer Befragung. Fast alle Befragten wünschen sich nicht nur mehr Informationen zum Thema, sondern auch Hinweise wo qualitativ hochwertige OERs zu finden sind und wie man sie in der Praxis einsetzen kann. Gleich dahinter rangiert der Wunsch nach praktischen Handlungsanleitungen und Checklisten für die Unterrichtsgestaltung. Eine Teilnehmerin bringt diesen Wunsch sehr prägnant auf den Punkt „Sowas wie ein Kochbuch für die eigene Kursgestaltung, das wäre super“. Einen Überblick über Beispiele guter Praxis in der Weiterbildung interessiert die Befragten ebenfalls – einerseits um diese Beispiele nachzuahmen, andererseits um sich mit engagierten Kollegen zu vernetzen.

Startseite_wbweb „Einfach gute Weiterbildung machen mit einem offenen Online-Portal. Das ist das Ziel von wb.web. Hier ein Blick auf einen Entwurf der Startseite“

 

Einfach immer besser werden: Vernetzung als Basis nachhaltiger Professionalitätsentwicklung

Neben dem Bedarf nach mehr Wissen sowie konkreten Tipps und Materialien für die alltägliche Praxis, zeigte sich über Befragung und Fokusgruppen hinweg der Wunsch zu mehr Austausch und Vernetzung. Gerne würden sich die meisten mit anderen Weiterbildnerinnen in zeitlich flexibler Form austauschen: Zu fachlichen ebenso wie allgemein-pädagogischen Themen. Gäbe es auf dem Portal zudem eine Experten-Landkarte, würden die meisten Befragten diese nutzen.

Die Befragung zeigt allerdings deutlich, dass die Nutzung digitaler sozialer Netzwerke kein Selbstläufer ist. So betonten die Befragten, dass sie den persönlichen Austausch dem anonymen vorziehen, gleichzeitig aber gerne die Sicherheit eines Pseudonyms wünschen würden, um auch kritische Themen angstfrei diskutieren zu können. Sicherheit und Seriosität sind die Elemente, die einer eigenen Beteiligung am Austausch über das Portal vorausgesetzt werden. Erst wenn sie gegeben sind, wird eine hohe Nutzungsbereitschaft wahrscheinlich, mit der auch nachhaltige Professionalisierungseffekte verbunden sein können. Oder wie eine Teilnehmerin feststellt: „Ich sitze ja seit Jahren in meinem eigenen Loch, und irgendwo da draußen ist die Innovation. Aber woher soll ich wissen, was die anderen besser machen, wenn ich nichts davon mitbekomme?“

Ein Online Portal? Einfach sicher, einfach zu bedienen, einfach übersichtlich!

Selbst eine konsequente Ausrichtung eines Online-Portals an den Bedürfnissen der Nutzer garantiert nicht den Erfolg des Angebots. Ohne ein stimmiges Konzept zum Datenschutz, eine intuitive Navigationsstruktur und einen seriösen Auftritt würde das Portal nicht genutzt werden. Neben ausführlichen Informationen zu den Betreibern und den Zielsetzungen des Angebots erwarten sich die Befragten klare Informationen zur Weiterverwendung ihrer Daten. Mehr noch – über alle Altersgruppen hinweg zeigt sich ein fester Wille zur digitalen Emanzipation: Die NutzerInnen wollen selbst bestimmen wer wann was mit Ihren Daten macht.

Emanzipiert zeigt sich unsere Nutzergruppe auch, wenn es um das Design geht. „Die Form muss der Funktion folgen und die Funktion muss sich am Bedarf der Nutzer ausrichten“ ist die klare Ansage ans Projektteam. Automatisierte Empfehlungssysteme finden wenig Anklang, stattdessen wünschen sich die Befragten klare Navigationspfade entlang derer sie selbstgesteuert und autonom auf das Angebot zugreifen können. Aus Sicht der Zielgruppe sollte das gesamte Angebot „wie in einem Bauchladen“ sichtbar sein.

Forum_wbweb„Neben der Vermittlung von Wissen steht der Austausch mit Kollegen im Zentrum von wb.web. Dazu wird es eine Community mit Foren geben. Hier sehen Sie einen ersten Entwurf.“

 

Wie geht es weiter: Nicht einfach ein weiteres Online-Portal machen

Nach mehreren Feedback-Runden unserer Zielgruppe ist uns mittlerweile eines klar: Einfach so ein weiteres Online-Portal zu machen geht einfach nicht. Erst eine konsequente Einbindung der späteren NutzerInnen sichert den Erfolg unseres Projekts. So sind es die WeiterbildnerInnen – als Experten ihres eigenen Arbeitsbereichs – die am besten wissen was sie wann und in welcher Form brauchen – sofern man sie fragt. Für die Offenheit und Direktheit, aber auch die vielen konstruktiven Vorschläge, die wir bisher schon in unsere Projektentwicklung aufnehmen konnten, möchten wir uns daher bei den KollegInnen von der VHS Gütersloh, der VHS Frankfurt aber auch anderen beteiligten Einrichtungen bedanken.

Auch die mittlerweile fast 170 Personen starke Google-Group ist als Quelle fundierten Feedbacks für unsere Arbeit eine große Unterstützung. Darüber hinaus wäre unsere Umfrage kaum so erfolgreich gewesen, hätten Sie nicht viele (Berufs-)Verbände aber auch verschiedene Weiterbildungsblogs und weitere Helfer unterstützt.

Einfach so ein Online-Portal kommt daher für uns nicht mehr in Frage. Stattdessen werden wir auch in Zukunft einfach mal die Community fragen was sie vom Status Quo unseres Projekts hält.

Schließlich gilt auch für ein Online-Portal das Credo des Design-Thinking: Fail faster and follow the fun. Und was Ihnen Spaß macht – liebe zukünftige NutzerInnen – das wissen Sie immer noch am besten.