Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Lars Thies

Jugendarbeitslosigkeit: keine Lösung aus Europa

Berlin, Paris und jetzt Mailand. Das sind nicht die Schauplätze der letzten Fashion Week sondern Konferenzorte für die europäischen Beschäftigungsgipfel. 15 Regierungschefs reisten letzte Woche nach Mailand zum dritten dieser Gipfel innerhalb von 15 Monaten, um Lösungen für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa zu suchen. Das Treffen enttäuschte. Außer vieler Worte, die die Dringlichkeit des Problems unterstrichen, gab es wenig nennenswerte Ergebnisse.

Im Zentrum des Gipfeltreffens standen einmal mehr die von der EU ausgerufene Jugendgarantie sowie die europäische Initiative für Jugendbeschäftigung. Für letztere stehen 6 Mrd. Euro zur Verfügung. Bislang haben die Mitgliedsstaaten nur einen kleinen Teil der Mittel abgerufen und nur in Frankreich, Italien und Litauen gibt es bereits genehmigte Projekte. Teils haben die Mitgliedsstaaten noch keine tragfähigen Vorschläge zur Verwendung eingereicht, teils liegen solche Vorschläge wohl noch zur Prüfung bei der Kommission. Immerhin wurde man sich darin einig, die Bearbeitungszeit der Anträge zu verkürzen.

Den Ball der Erwartungen an Europa flach halten

Überraschend sind nicht die bescheidenen Ergebnisse des Gipfeltreffens sondern die hohen Erwartungen, die an diese Veranstaltungen ebenso wie an die Europäische Union geknüpft sind. Das Problem Jugendarbeitslosigkeit lässt sich nicht im Handstreich lösen. Die Ursachen für Jugendarbeitslosigkeit sind vielschichtig und variieren von Land zu Land. Um Jugendarbeitslosigkeit wirksam zu verringern, müssten die betroffenen Staaten erst einmal wieder wirtschaftlich wachsen. André Sapir vom Think Tank Bruegel drückt es frei nach Bill Clinton so aus: “Youth Unemployment: It`s growth, stupid!”

Weder die EU noch die Regierungschefs können wirtschaftliches Wachstum einfach herbeiführen. Und allein würde es auch nicht ausreichen. Es müsste von strukturellen Reformen der Ausbildungs- und Beschäftigungssysteme begleitet werden, z. B. von einer stärkeren Praxisorientierung der Berufsausbildung. In diesem Bereich müssen die Mitgliedsstaaten aber selbst aktiv werden. Die EU hat hier nur eingeschränkte bis gar keine Kompetenzen.

Warum schreibe ich das? Beim Thema Jugendarbeitslosigkeit wird meiner Meinung viel von der Europäischen Union erwartet das sie nicht leisten kann. Die EU kann nicht jedem der ca. 5 Mio. jungen Arbeitslosen in Europa zu einem Praktikum, einer Ausbildung oder einer Arbeit verhelfen, auch wenn unter dem Stichwort Jugendgarantie oft genug dieser Anschein erweckt wird.

Europas Rolle

Viel mehr müsste in den Mitgliedsstaaten selbst passieren. Notwendige Reformen des Arbeitsmarktes oder des Bildungssystem sind allerdings langwierig und schwer umzusetzen. Es führt aber letztlich kein Weg daran vorbei. Die Rolle der EU ist dabei eher unterstützend. Sie kann gute Konzepte und Projekte finanzieren, die in den Mitgliedsstaaten entwickelt werden. Sie kann auch das Lernen untereinander fördern, wie sie es z. B. beim Thema Berufsausbildung mit der Europäischen Ausbildungsallianz tut.

Gegenseitigen Lernbedarf der Mitgliedsstaaten gibt es genügend. So ist der Anteil der langzeitarbeitslosen jungen Menschen in Deutschland z. B. höher als in den Niederlanden oder in Schweden. Während einige Länder in Österreich oder Deutschland nach Modellen für praxisorientierte Ausbildung suchen, kann Deutschland daher von den Niederlanden oder Schweden lernen, wie man junge Menschen schneller wieder in Arbeit bringt.

Die Europäische Union kann außerdem zur Mobilität von Arbeitnehmern beitragen, indem sie z. B. auf eine Harmonisierung oder mindestens eine gegenseitige Anerkennung von Bildungs- und Berufsabschlüssen in Europa dringt. Junge Arbeitnehmer aus Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit könnten dann einfacher in Ländern Arbeit finden, in denen die Lage besser ist und in denen Fachkräfte gesucht werden.

Im Übrigen könnte auch Deutschland mehr tun um jungen Menschen aus Europa bessere Perspektiven zu bieten. Statt symbolträchtig Auszubildende aus Spanien oder Griechenland einzufliegen, die in ihrer Heimat bereits eine Ausbildung oder manchmal sogar ein Studium abgeschlossen haben, könnten ihnen auch echte Arbeitsplätze angeboten werden.