Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Lars Thies

Eine Schule eröffnet Wege aus der Armut – Erfahrungen aus Indien

Für eine Weile musste ich mich daran gewöhnen auf den Namen Anna zu hören. Das bedeutet in Bangalore, der 8 Millionen Stadt im Süden Indiens, nämlich „großer Bruder“. Zu Beginn des Jahres habe ich meinen Arbeitsplatz in der Bertelsmann Stiftung für zwei Monate gegen eine Schule der Parikrma Humanity Foundation in Bangalore eingetauscht. Dort werden alle Lehrer von den Schülern Anna genannt. Als Freiwilliger habe ich schwächere Schüler auf die Abschlussprüfungen nach der 10. Klasse vorbereitet sowie mit der Berufsvorbereitungsklasse Kommunikationsfähigkeiten und Vorstellungsgespräche geübt.

Die Schüler der Parikrma-Schulen kommen aus armen Verhältnissen. Sie wachsen in den vielen Slums von Bangalore auf. Ihre Eltern arbeiten als Haushaltshilfen oder Rickshaw-Fahrer und sprechen in den meisten Fällen kaum Englisch. Nicht wenige von ihnen sind Analphabeten. Den insgesamt etwa 1500 Schülern bietet Parikrma eine englischsprachige Ausbildung von der Vorschule bis zur 10. Klasse und danach noch für zwei Jahre Junior College oder Berufsvorbereitung. Der Ansatz von Parikrma geht über den Unterricht aber weit hinaus. Über ein Ernährungsprogramm, eine grundlegenden Gesundheitsversorgung und Arbeit mit den Eltern und Familien wird der regelmäßige Schulbesuch in vielen Fällen erst ermöglicht.

Der Erfolg gibt Parikrma recht. Die Anwesenheitsquoten liegen weit über dem Durchschnitt auf staatlichen Schulen, die Abbruchquoten weit darunter. 80 Prozent eines Jahrgangs besuchen nach der 10. Klasse noch das Junior College und viele von ihnen gehen weiter auf die Universität.

Die Schüler wollen Anwälte werden, Ärzte, Krankenschwestern, Ingenieure Automechaniker, Kosmetikerinnen und Architekten. Beeindruckt hat mich die Energie, mit der sie ihre Träume verfolgen und mit der sie die Hindernisse  überwinden, die ihnen ihre Herkunft in den Weg gelegt hat. Beeindruckt hat mich aber auch die Haltung, die in den Schulen von Parikrma gelebt wird: Jeder Schüler kann etwas aus sich machen und sollte unabhängig von seiner Herkunft die gleichen beruflichen Chancen in der Gesellschaft haben.

Klar, ich erzähle hier von Indien und das ist alles weit weg. So weit dann aber doch wieder nicht. Wenn in Deutschland der Bildungserfolg immer noch stark von der Herkunft abhängig ist und zum Beispiel Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Ausbildungsmarkt benachteiligt werden, dann ist wohl auch hier noch einiges zu tun.

Link: http://www.parikrmafoundation.org/html/home.html