Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Dr. Miika Blinn

Das Statistische Bundesamt macht‘s möglich: Neue Daten können Bildungschancen in allen Kreisen und Städten transparent machen

Großer Sprung für die regionale Bildungsforschung: Der Fragebogen des Mikrozensus vom Statistischen Bundesamt kann jetzt für Kreise und Städte ausgewertet werden. Das ermöglicht neue Perspektiven auf das Verhalten und die Lebensumstände der Menschen in Deutschlands Regionen

Die regionale Bildungsforschung hat seit diesem Sommer ein Problem weniger! Politik und (Regional-)Forschung beschweren sich seit Jahren, dass es zu wenig regionale, repräsentativen Daten aus individuellen Personenbefragungen wie das Sozio-ökonomische Panel oder den Mikrozensus gibt. Aus diesen umfangreichen Befragungen von Bürgern kann die Forschung vieles lernen, aber bisher eben nicht repräsentativ für einzelne Landkreise und kreisfreie Städte. Dem wurde durch das Statistische Bundesamt nun endlich Abhilfe geschaffen.

Statistisches Bundesamt veröffentlicht regionale (Weiterbildungs-)Daten

Bekannte Statistiken, wie der Adult Education Survey ließen sich aufgrund der kleinen Anzahl an Befragten nur repräsentativ für ganz Deutschland – im besten Falle für einzelnen Bundesländer – auswerten.  Regionale Daten für die Weiterbildung beschränkten sich bisher auf die Volkshochschulstatistik. Der Mikrozensus ließ sich nur für 132 sogenannte regionale Anpassungsschichten auswerten.

Seit der Erhebung 2012 kann die recht umfangreiche Befragungen des Mikrozensus auch auf für Kreise und Kreisfreie Städte ausgewertet werden. Dies eröffnet der Regionalforschung im Allgemeinen und der Weiterbildungsforschung im Speziellen ein großes Spektrum neuer Möglichkeiten. So erfasst der Mikrozensus umfangreiche Daten zu Person, Wohnung, Haushalt, Erwerbssituation, (Aus-)Bildung. Möglich wird die kreisscharfe Analyse des Mikrozenus dadurch, dass das Statistische Bundesamt, welches für die Mikrozensus-Befragung verantwortlich zeichnet, seit diesem Jahr einen Standardhochrechnungsfaktor zur Gewichtung von Befragungswerten zur Verfügung stellt. Dieser wird benötigt, um die regionalen Befragungswerte so zu gewichten, dass diese für die Regionen repräsentativ sind. Warum dieser Schritt erst jetzt erfolgt ist entzieht sich meiner Erkenntnis. Denn die Mikrozensus Infos helfen dem Bürgermeister vor Ort seine lokale Politik zu gestalten genauso wie dem Regionalforscher, der z.B. demographische Entwicklungen und das Verhalten der Bürger in den Regionen erforscht.

Datenschutz: Nicht alle Daten regional auswertbar

Diese Daten werden vom Statistischen Bundesamt allerdings nicht uneingeschränkt zugänglich gemacht, nicht einmal für die Forschung: Aus Datenschutzgründen werden einige Daten nicht für alle Regionen herausgegeben. Dies ist der Fall, wenn die Fallzahl der in einem Kreis befragten Personen so gering ist, dass man Rückschlüsse darauf ziehen könnte wer die Person ist, die den Fragebogen beantwortet hat. Zum Beispiel wohnen in vielen Kreisen und Städten in den östlichen Bundesländern wenige Ausländer. So kann es passieren, dass das Bundesamt keine Daten zum Weiterbildungsverhalten dieser Personen für einzelne Kreise herausgibt. Insbesondere dann, wenn der Kreise der Personen eingeengt wird und etwa eine bestimmte Altersgruppe betrachtet werden soll (z.B. das Weiterbildungsverhalten 30-40jähriger Migranten in einem Landkreis in Mecklenburg Vorpommern). Aus Datenschutzgründen ist dies natürlich allzu begreiflich und zu begrüßen. Außerdem: Wenn die Zahl der befragten Personen in einem Kreis zu gering wird sinkt auch die statistische Aussagkraft der Zahlen.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass aus diesem neuen Datensatz interessante Erkenntnisse gewonnen werden und bin auf die kommenden regionalen Analysen gespannt. Hier können auf einmal Landkarten gezeichnet werden, die überraschende Perspektiven auf das Verhalten und die Lebensumstände der Menschen in der Region erlauben.