Die Zukunft des Lernens: Personalisiert und kompetenzorientiert! (3/8)

Warum brauchen wir Kompetenzen? Was sind Kompetenzen? Wie können wir sie erwerben? Diesen Fragen gehen wir in einer 8-teiligen Blogserie und einer dazugehörigen Broschüre nach. Dabei entwerfen wir ein Bild, wie personalisierte Kompetenzentwicklung in realen Herausforderungen möglich ist. Einen besonderen Blick werfen wir auf die Möglichkeiten, welche die Digitalisierung für die Kompetenzentwicklung im Netz eröffnet.

Begleitend zur Blogserie lohnt sich ein Blick auf das Angebot von wb-web.de. Dort werden praxisnahe Möglichkeiten zum Einsatz digitaler Technologien in der Weiterbildung in Form von Handlungsanleitungen und Erfahrungsberichten vorgestellt.

Wir freuen uns über interessierte Leser und Kommentare und hoffen Ihnen mit dieser Serie einen umfassenden und lesenswerten Einblick in das Thema Kompetenzentwicklung im Netz zu geben!

 

Was sind Kompetenzen?

Wissen und Kompetenz werden im alltäglichen Sprachgebrauch oftmals gleichbedeutend verwendet. Wissen ist jedoch nicht das wirkliche Ziel des Lernens. Es bildet lediglich die notwendige Voraussetzung für den Kompetenzaufbau. Denn Kompetenzen entstehen, wenn der Lernende vorhandenes Wissen bei der selbstorganisierten Lösung von Herausforderungen praktisch angewandt hat. Dabei sammelt er Erfahrungen und imprägniert sein Wissen emotional – es erhält sozusagen praktische Relevanz.

Wissen kann nicht einfach übertragen werden; es muss im Gehirn eines jeden Lernenden neu geschaffen werden, indem er Informationen mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft. Deshalb lässt sich Wissen nicht „vermitteln“, also einfach weitergeben. Der Lernende muss Wissen aktiv schaffen.

Wichtig für die Entwicklung von Lernangeboten ist die Unterscheidung von Wissen im engeren Sinn und im weiteren Sinn, da sich daraus unterschiedliche Formen von Lernprozessen ableiten:

  • Wissen im engeren Sinne ist Informations-, Fach- und Sachwissen. Es lässt sich klassisch mittels Seminaren oder Web Based Trainings (WBTs) aufbauen.
  • Wissen im weiteren Sinne entsteht, wenn die Lernenden Informationen bewerten und mit eigenen Erfahrungen in Beziehung setzen. Indem es emotional imprägniert ist, wird dieses Wissen auch handlungswirksam. Ein Aufbau von Wissen im weiteren Sinne ist daher erst im Rahmen von realen Herausforderungen möglich, in denen eigene Erfahrungen gesammelt und reflektiert werden.

Wir gehen in den folgenden Beiträgen von einem Kompetenzbegriff nach Erpenbeck und Heyse (2007) aus: Kompetenz wird danach als Fähigkeit verstanden, in offenen, unüberschaubaren, komplexen, dynamischen und zuweilen chaotischen Situationen selbstorganisiert und kreativ zu handeln.

Dieser Kompetenzbegriff orientiert sich an realen Problemstellungen, wie sie uns täglich im Alltag oder im Betrieb begegnen. Kompetenzen sind diesem zufolge all jene Fähigkeiten, die dazu beitragen, unsere Aufgaben im Privatleben und im Beruf erfolgreich zu bewältigen. Sie sind keine Persönlichkeitseigenschaften, sondern werden aktiv erworben und ausgebaut. Daher können sie auch nicht einfach vermittelt werden. Kompetenzen werden durch selbstorganisiertes Handeln erworben und schlagen sich immer in Handlungen nieder. So wie wir Autofahren auch nur dann lernen, wenn wir uns selbst ans Steuer setzen, können Kompetenzen nur selbstorganisiert bei der Bearbeitung realer Herausforderungen aufgebaut werden.

 

Vier Gruppen von Kompetenzen

Kompetenzen lassen sich in vier große Gruppen unterteilen. Menschen mit hohen …

  • personalen Kompetenzen besitzen Charisma und wirken als Vorbild. Sie streben starke Leistungen an, stellen hohe Ansprüche an sich selbst, aber auch an andere. Sie sind in hohem Maße loyal und streben nach Gerechtigkeit. Gleichzeitig besteht zuweilen die Gefahr, dass sie sich zu sehr von Emotionen leiten lassen, zu vertrauensselig und selbstverleugnend sind.
  • Aktivitäts- und Handlungskompetenzen übernehmen Verantwortung für Projekte und Aufgaben, übertragen ihren Willen auf andere und werden durch Widerstände gestärkt, sind dynamisch, wettbewerbsorientiert und risikobereit. Sie neigen dazu, hohe Risiken einzugehen, andere zu überfordern, auf diese Druck auszuüben und zu viel gleichzeitig zu machen.
  • Fach- und Methodenkompetenzen sind sehr sachorientiert und verlässlich, durchschauen Probleme rasch und sind meist auf dem neuesten Kenntnisstand, arbeiten analytisch und methodisch zielorientiert. Sie reduzieren Komplexität und agieren umsichtig. Dieser Kompetenzbereich bezieht sich nicht auf das Fach- und Methodenwissen selbst, sondern auf die Fähigkeit, dieses Wissen erfolgreich für Problemlösungen einzusetzen. Menschen mit dieser Kompetenzausprägung neigen bisweilen dazu, auf ihr Wissen zu sehr zu vertrauen und menschliche Komponenten zu vernachlässigen. Dann besteht die Gefahr, dass sie phantasiearm und überkritisch, teilweise auch übervorsichtig und beharrend an Aufgaben herangehen.
  • sozial-kommunikativen Kompetenzen besitzen ein feines Gespür für Meinungen, Bedürfnisse und Gefühle anderer, organisieren flexibel die Zusammenarbeit, vermitteln bei Konflikten und lösen Probleme humorvoll und experimentierend. Gelegentlich neigen sie dazu, Konsens überzubetonen, deshalb meiden sie Auseinandersetzungen und artikulieren keine eigene Meinung. Ab und an wirken sie ziellos, ohne Überzeugung und übergesellig.

 

Abbildung: Kompetenzbereiche nach Erpenbeck und Heyse 2007
Abbildung: Kompetenzbereiche nach Erpenbeck und Heyse 2007

 

Alle Beiträge der Serie:



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