Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Clemens Wieland

Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit in Europa: Wachstum allein genügt nicht 2/3

Neue Studie des IPPR, London (Beitrag 2 von 3)

Wirtschaftswachstum allein reicht nicht aus, um das Problem der Jugendarbeitslosigkeit zu lösen – dies ist ein wichtiges Ergebnis einer aktuellen Studie zu den Bestimmungsgründen von Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Gemäß der Studie ist der Zusammenhang zwischen Veränderungen der Jugendarbeitslosenrate und dem Wachstum des Sozialproduktes über alle europäischen Länder im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 gering. Von den neun Ländern in Europa, in denen das Sozialprodukt zwischen 2008 und 2012 gewachsen ist, ist einzig in Deutschland die Jugendarbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum zurückgegangen. Einen positiven Einfluss auf die Höhe der Jugendarbeitslosigkeit haben im Gegensatz zum Wachstum des Sozialprodukts praktische Erfahrungen während der Ausbildung: In allen untersuchten Ländern ist das Arbeitslosenrisiko junger Menschen zwischen einem Viertel und der Hälfte niedriger, wenn sie während ihrer Ausbildung oder während ihres Studiums gearbeitet haben.

Die von Jugendarbeitslosigkeit stark betroffenen Länder sollten ihre Berufsausbildungssysteme praxisorientierter gestalten und sich duale Ausbildungssysteme zum Vorbild nehmen, so die Empfehlung der Studie. Denn: Die berufliche Bildung in Deutschland und den Niederlanden (beides Länder mit dualer Ausbildung) ermöglicht jungen Menschen besonders gute Beschäftigungschancen. In 2009 waren die Arbeitslosenquoten junger Menschen mit einem beruflichen Abschluss der Sekundarstufe II in Deutschland (9,6 Prozent) und den Niederlanden (4,7 Prozent) die niedrigsten der untersuchten Länder. Ein beruflicher Abschluss der Sekundarstufe II senkt das Arbeitslosenrisiko in Deutschland gegenüber Abschlüssen der Sekundarstufe I stärker als in den anderen untersuchten Ländern.

Die europäische Vergleichsstudie des britischen Institute for Public Policy Research (IPPR) in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung und dem schwedischen Gewerkschaftsbund Swedish Confederation of Professional Employees (TCO) basiert auf Daten des Europäischen Statistikamtes EUROSTAT und der europäischen Arbeitskräfteerhebung (European Labour Force Survey). Sie untersucht auf empirischer Basis Ausprägungen und Bestimmungsfaktoren von Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Schweden und Spanien.

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