Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Lars Thies

Entwicklung der nachschulischen Bildung bis 2030

Gehen in Zukunft alle studieren? Davon sind wir in Deutschland noch weit entfernt. Allerdings verschieben sich die zahlenmäßigen Verhältnisse zwischen Berufsausbildung und Studium schon seit längerem. Im Jahr 2005 standen 350.000 Studienanfängern noch 520.000 duale Azubis im ersten Lehrjahr gegenüber. Im Jahr 2013 haben bereits erstmals mehr junge Menschen ein Studium aufgenommen als eine duale Berufsausbildung.

In der Studie Nachschulische Bildung 2030 haben wir anhand gegenwärtiger Trends berechnet, wie sich die Zahlen von Studienanfängern und Auszubildenden bis in das Jahr 2030 entwickeln. Das Video gibt einen Überblick über die zentralen Ergebnisse:

Wenn sich der Trend zum Studium aus den vergangenen zehn Jahren ungebrochen fortsetzt, werden 2030 nur noch etwas mehr als 400.000 junge Menschen eine betriebliche Ausbildung beginnen. Das sind rund 80.000 weniger als heute, was einen Rückgang um 17 Prozent bedeutet.

Bleibt die Studierneigung weiter so hoch wie in den vergangenen zehn Jahren, sinken die Erstsemesterzahlen bis 2030 gegenüber heute um lediglich knapp fünf Prozent. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Schüler einen Abschluss erwerben, der zur Aufnahme eines Studiums berechtigt. Hinzu kommt, dass die deutschen Hochschulen immer attraktiver werden für ausländische Studierende.

Den stärksten Zulauf verzeichnen voraussichtlich diejenigen Studiengänge, die stark an der Praxis orientiert sind. Seit 1995 stieg der Anteil der Fachhochschüler an allen Studienanfängern von 26 auf 39 Prozent. Bis zum Jahr 2030 rechnet die Studie mit einem Anstieg auf mehr als 43 Prozent. Auch duale Studiengänge gehören zu den Gewinnern der Entwicklung. Rund 21.000 junge Menschen nahmen 2013 ein Studium auf, das einen Bachelor-Abschluss mit einer Berufsausbildung oder längeren Praxisphasen in Unternehmen verbindet. Bis 2030 wird sich diese Zahl nach den Berechnungen der Studie auf 38.000 Studienanfänger pro Jahr erhöhen.

Unter www.nachschulische-bildung.de können Sie sich die Ergebnisse der Studie in interaktiven Grafiken anzeigen lassen.

Die Diskussion darüber, was die Veränderungen für Berufsausbildung, Hochschulen und den Arbeitsmarkt bedeutet, hat gerade erst begonnen. Was ist Ihre Meinung dazu? Ich freue mich auf den Dialog mit Ihnen.