Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Frank Frick

Verkürzte Ausbildung für Studienabbrecher, flexible Verläufe für Jugendliche mit Startschwierigkeiten! Ein Plädoyer für mehr Flexibilität und Durchlässigkeit in der beruflichen Ausbildung

Das duale System der Berufsausbildung hat ein Nachwuchsproblem. Es gibt immer weniger Jugendliche und von denen entscheiden sich immer mehr für ein Studium statt für eine Lehre. Erstmals übersteigt die Zahl der Studienanfänger die der Ausbildungsanfänger. Um diesem Trend entgegenzuwirken gilt es, das Ausbildungssystem flexibler zu machen. Zum einen muss die betriebliche Ausbildung attraktiver werden für Studierwillige. Zum anderen wird sich das duale System für die mehr als 130.000 Jugendlichen pro Jahr öffnen, die als „nicht ausbildungsreif“ abgestempelt werden.

Ein Fortschritt wäre die Unterteilung der Ausbildung in kleinere Einheiten. Ausbildungsbausteine könnten die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung erhöhen. Weil fast alle Studiengänge bereits modularisiert sind, wäre eine wechselseitige Anerkennung von Kompetenzen einfacher. Das wäre gut für beruflich Qualifizierte, die an eine Hochschule wechseln, aber auch für Studienabbrecher, die den umgekehrten Weg gehen. Allein in Bachelor-Studiengängen liegt die Abbrecherquote bei ca. 35 % im Durchschnitt, mit Spitzenwerten um 50 % bei den Ingenieurstudiengängen. Eine verkürzte Ausbildung – unter Anerkennung der Studienleistung – wäre eine sinnvolle Perspektive für ehemalige Studenten und eine riesige Chance für Handwerk und Mittelstand. In einigen Kammerbezirken laufen bereits ermutigende Pilotprojekte.

Zudem ist es an der Zeit, sich von der Idee der “Ausbildungsreife” zu verabschieden. Für die gab es ohnehin nie einheitliche Kriterien. Dieser Stempel war nie mehr als der Versuch, gesellschaftliche Probleme zu individualisieren und das Versagen bei der Bildungsgerechtigkeit zu vertuschen. Die richtige Konsequenz und ein klares Signal für Chancengerechtigkeit ist eine Ausbildungsgarantie! Außerdem braucht es einen Paradigmenwechsel: das Ausbildungssystem passt sich dem Menschen an und nicht der Mensch an das System. Das bedeutet, dass sich auch für diese Jugendlichen das System flexibler zeigt. Warum sollten Ausbildungen nicht auch in Teilschritten oder mit Zwischenabschlüssen absolviert und je nach Verlauf verlängert werden können. Mehr Jugendliche könnten sich in den Betrieben beruflich qualifizieren und die Abbrecherquote in der Ausbildung würde sinken.

Es ist nicht naturgegeben, dass 1,5, Mio. 20-29-jährige in Deutschland ohne Ausbildungsabschluss sind. Wir können dies ändern – mit einer Ausbildungsgarantie und einem flexibleren Ausbildungssystem.

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