Blog „Aus- und Weiterbildung“

Verfasst von Laura Wunderlich

Was nimmt man mit, wenn man noch nicht weiß wohin die Reise geht? – Digitalisierung verändert die Arbeit (1/4)

Kennt man das Ziel einer Reise, weiß man was man unbedingt mitnehmen muss. Ist das Ziel noch ungewiss, fällt es schwer zu planen, was nicht vergessen werden sollte, um bei verschiedenen Gegebenheiten gut ausgerüstet zu sein. Wahrscheinlich ist, dass die zukünftige Arbeitswelt aufgrund der Digitalisierung eine Andere sein wird. Es ist jedoch schwierig heute schon abzuschätzen, wie z. B. im Rahmen einer Berufsausbildung darauf vorbereitet werden kann. Was sollte man heute lernen und den jungen Menschen beibringen, damit sie am Ende nicht nur Nutzloses im Gepäck haben?

Zur Zukunft der Arbeitswelt gibt es widersprüchliche Schlagzeilen: Einerseits bedrohliche wie die „Digitalisierung frisst immer mehr Jobs“, andererseits aber auch optimistische, wie „Ohne Furcht in die Digitalisierung“ oder gar „mehr Arbeit durch Digitalisierung“. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen beschäftigen sich mit diesem Thema und erarbeiten Prognosen, wie die Arbeitswelt in einem digitalen Zeitalter aussehen könnte. Sie machen sich Gedanken dazu, wie wir am besten mit den Neuerungen und Veränderungen umgehen. Auch aus politischen Diskussionen z. B. im deutschen Bundestag sind die Themen technologischer Wandel, Digitalisierung und Industrie 4.0 zurzeit nicht wegzudenken.

Wie wird der Arbeitsmarkt der Zukunft aussehen? Mit dieser Frage befassen sich auch die Autoren des Wirtschaftsbuchs des Jahres 2015 „The Second Machine Age“, von dem ich in diesem Blogbeitrag berichte.

Das zweite Maschinenzeitalter

Die amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee kündigen in ihrem Buch eine digitale Revolution an, die unser aller Leben verändern wird. Diese Veränderungen werden laut Brynjolfsson und McAfee so stark sein, wie vor 200 Jahren durch die erste industrielle Revolution – dem ersten Maschinenzeitalter. Neben vielen anderen Aspekten zur gesellschaftlichen Entwicklung finden sie eine Antwort auf die vielleicht wichtigste Frage: Wenn Computer und Maschinen in der Zukunft leistungsfähiger werden, werden sie dann irgendwann den Menschen als Arbeitskraft ablösen?

Polarisierung auf dem Arbeitsmarkt

Die beiden Autoren nehmen an, dass dann in Unternehmen für bestimmte Tätigkeiten, weil diese kostengünstiger von Maschinen oder Robotern übernommen werden können, weniger Mitarbeiter beschäftigt werden. Am einfachsten können den Wissenschaftlern zufolge Arbeitskräfte auf der mittleren Bildungsstufe durch digitale Technologien ersetzt werden. Denn diese führen häufig Tätigkeiten aus, die routinebasiert sind und auf Regeln basieren, welche einfach in Algorithmen für Apps oder ähnliches zerlegt werden können. Brynjolfsson und McAfee berufen sich auf das Forschungsergebnis, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften für manuelle und kognitive Routineaufgaben am schnellsten zurückgegangen ist. Kognitive Nicht-Routine Tätigkeiten, wie z.B. Finanzanalysen oder manuelle Nicht-Routine Tätigkeiten, wie das Friseurhandwerk werden dahingegen gleichbleibend nachgefragt (Autor, 2010; Acemoglu & Autor, 2012).

Wenn es für Personen mit mittleren Qualifikationen im Vergleich zu höher und geringer Qualifizierten weniger Arbeitsplätze gibt, spricht man von einer „Polarisierung“ der Beschäftigung. Erklärt am Beispiel der Tourismusbranche bedeutet das: Angestellte im Reisebüro haben es zunehmend schwerer ihren Job in der Zukunft zu behalten, weil ihre Dienstleistungen bereits heute von Apps und Internetportalen angeboten werden. Zugleich gibt es bis jetzt noch keinen Roboter, der dazu in der Lage ist, Gäste zu bedienen und sich zwischen den Tischen in einem vollbesetzten Restaurant zu bewegen. Somit werden für diese Tätigkeiten weiterhin Kellner benötigt, die häufig auf einer niedrigen Bildungsstufe ausgebildet sind. Auch Aufgaben, die ein hohes Bildungsniveau erfordern, wie das Management von Hotels, werden Menschen vorbehalten bleiben.

Das Grünbuch Arbeit 4.0 der deutschen Bundesregierung berichtet ebenfalls, dass die in den letzten Jahren stattgefundene Automatisierung bereits dazu führte, dass mittlere Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt weniger nachgefragt werden. Doch auch wenn es in Zukunft möglich sein wird, Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzen, räumen Brynjolfsson und McAfee ein, dass dies nicht immer sinnvoll sein wird. Stattdessen betonen sie, dass sich Aufgaben, Tätigkeiten und Verantwortungsbereiche verändern werden.

Empfehlungen der Autoren

Um auf das zweite Maschinenzeitalter vorbereitet zu sein, gilt es laut Brynjolfsson und McAfee unter anderem gezielt die menschlichen Kompetenzen zu fördern, die Computer und Roboter (noch) nicht lernen können. Das sind:

  • Kreativität bei der Gewinnung von Ideen,
  • das Erkennen von komplexen Mustern
  • sowie kommunikative und soziale Fähigkeiten.

In meinem nächsten Blogbeitrag werde ich die Ergebnisse verschiedener Studien über die möglichen Folgen des technologischen Wandels für den Arbeitsmarkt vorstellen. Wie schätzen Experten die Wahrscheinlichkeit ein, ob und welche Berufe in der Zukunft von Maschinen und Robotern übernommen werden können?

Quellen:

Autor, D. (2010). The Polarization of Job Opportunities in the U.S. Labor Market. Online verfügbar unter: https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2016/06/04_jobs_autor.pdf

Acemoglu, D. & Autor, D. (2012). Skills, Tasks and Technologies: Implications for Employment and Earnings. Online verfügbar unter: https://www.brookings.edu/wp-content/uploads/2016/06/04_jobs_autor.pdf

Bertelsmann Stiftung (2016). Monitor Digitale Bildung Berufliche Ausbildung im digitalen Zeitalter. Online verfügbar unter: http://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_Monitor-Digitale-Bildung_Berufliche-Ausbildung-im-digitalen-Zeitalter_IFT_2016.pdf

Brynjolfsson, E. & McAfee, A. (2015). The Second Machine Age – Wie die nächste digitale Revolution unser aller Leben verändern wird. (5. Auflage). Kulmbach: Plassen Verlag.

Chetty, R., Friedman, J.N. & Rockoff, J.E. (2011). The Long-Term Impacts of Teachers: Teacher Value-Added and Student Outcomes in Adulthood. Online verfügbar unter: https://ideas.repec.org/p/nbr/nberwo/17699.html


Beitragsreihe zu “Was nimmt man mit, wenn man noch nicht weiß wohin die Reise geht?”

Teil 2/4: Automatisierung von Arbeit

Teil 3/4: Digitalisierung und ihr Einfluß auf Arbeit Heute

Teil 4/4: We cannot predict the future, but we can prepare for it