„Ende gut, alles gut?“ oder warum aus Sicht eines Unternehmens die Rentabilität nach der Ausbildung wichtiger sein kann als die während der Ausbildung

(Ausbildung ökonomisch betrachtet Teil 3/7)

Duale Ausbildungsmodelle sind international gefragt. Insbesondere Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit streben danach, ihre beruflichen Ausbildungssysteme praxisnäher zu gestalten, um die Übergänge junger Menschen in den Arbeitsmarkt zu verbessern. Als große Hürde bei der Einführung von dualen Ausbildungsmodellen in Ländern ohne diese Tradition erweist sich dabei die Beteiligung von Unternehmen. Denn ein Staat kann zwar Gesetze erlassen und Rahmenbedingungen schaffen, aber ohne die – freiwillige! – Beteiligung von Betrieben gibt es keine duale Ausbildung. Diese sehen jedoch oftmals nur den Kostenfaktor.

Die Bildungsökonomen Prof. Dr. Stefan C. Wolter und Prof. Dr. Samuel Mühlemann haben deshalb in den vergangenen Jahren in verschiedenen Ländern empirische Daten rund um das Kosten-Nutzen-Verhältnis erhoben und zudem Kosten-Nutzen-Simulationen durchgeführt, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen duale Ausbildung eine Win-Win-Situation für Auszubildende und Betriebe darstellt. Dies ist der dritte Teil einer Reihe von sieben Blogbeiträgen, in denen zentrale Erkenntnisse aus diesen Studien vorgestellt werden.

Lektion 3: Die Rentabilität nach der Ausbildung kann wichtiger sein als die während der Ausbildung

Betriebe, die ausbilden, können diese Investitionen wirtschaftlich entweder dadurch rechtfertigen, dass der Nutzen bereits während der Ausbildung die Kosten abdeckt, oder dadurch, dass zusätzliche Erträge nach der Berufsausbildung entstehen. Insbesondere bei österreichischen und deutschen Ausbildungsbetrieben fallen häufig am Ende der Ausbildungszeit Nettokosten an (siehe Lektion 2). Sie sind also auf einen Nutzen nach der Ausbildung zur Deckung ihrer Kosten angewiesen. Um was für eine Art Nutzen geht es dabei? Ein Betrieb, der selbst ausbildet, spart zum Beispiel beträchtliche Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten, wenn er seine Auszubildenden nach der Ausbildung als Fachkräfte weiterbeschäftigt. Diese eingesparten Kosten sind ein Beispiel für einen Nutzen, der nach der Ausbildungszeit entsteht.

Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit sich die Betriebe nach der Ausbildung auf diesen langfristigen Nutzen verlassen können. Dazu gehört der Schutz von Ausbildungsinvestitionen vor Wettbewerbern, die zum Beispiel durch Arbeitsmarktvorschriften oder durch Schutz vor dem nächsten Wettbewerber aufgrund räumlicher Distanz gegeben sein können. Das beinhaltet auch, dass ausbildende Betriebe groß genug sein müssen, um ihren Auszubildenden attraktive Möglichkeiten für eine weitere Beschäftigung bieten zu können. Gerade für kleine Betriebe ist es im Umkehrschluss wichtig, bereits während der Ausbildung einen Nettonutzen zu erzielen, damit sich Ausbildung für sie lohnt.

Neugierig geworden? Die ausführliche Fassung dieser und der anderen sechs Lektionen findet sich hier.

Lektion 1
Lektion 2
Lektion 3
Lektion 4



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