Coaching im Rahmen von Arbeitsmarkt- und Qualifizierungsmaßnahmen (3) – das Kölner Bildungsmodell

Nachdem im letzten Beitrag Coaching im Rahmen des „Modellprojekts zur Förderung geringqualifizierter Jugendlicher und Erwachsener“ vorgestellt wurde, beschäftigt sich dieser Beitrag mit dem Coaching-Ansatz des Kölner Bildungsmodells (KöBi). Die Besonderheiten des Kölner Bildungsmodells sind in dem Blogbeitrag „Schritt für Schritt zum Berufsabschluss“ zusammengefasst.

Auf Initiative des Kölner Bündnisses für Arbeit wurde im April 2014 das Kölner Bildungsmodell als 15-monatiges Pilotprojekt zur modularen beruflichen Qualifizierung in Form von Teilqualifikationen von Langzeitarbeitslosen und geringqualifizierten Menschen ab 25 Jahren ins Leben gerufen. Die Teilnahme am Kölner Bildungsmodell wird mit FbW-Bildungsgutscheinen finanziert. Ziel des Projekts ist es, den Fachkräftebedarf in der Region Köln zu decken, jungen Erwachsenen den Erwerb eines Berufsabschlusses sowie die Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Die Evaluation des Projekts durch InterVal zeigt, dass auch langzeitarbeitslose Personen mit geringen schulischen Qualifikationen mit einem individuellen Coaching und einer schrittweisen Ausbildung zum Berufsabschluss geführt werden können. Inzwischen ist KöBi ein Regelangebot des Jobcenters in Köln. Auf der Internetseite des Kölner Bildungsmodells finden Sie detaillierte Informationen zu dem Projekt.

Ziel des Coachings

Bei der Zielgruppe des Projekts bestehen häufig verschiedene Vermittlungshemmnisse. Dazu zählen z. B. schlechte oder fehlende Hauptschulabschlüsse, Lernschwierigkeiten ebenso wie Abbrucherfahrungen bei Ausbildungen oder anderen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Manche KöBi-Teilnehmenden haben zudem keinerlei Ausbildungserfahrung oder weisen Problemlagen auf, wie Überschuldung, gesundheitliche Einschränkungen oder den Status eines:einer Alleinerziehenden. Aufgrund dessen wird das Risiko eines Maßnahmeabbruchs als hoch eingeschätzt. Ein wichtiger Bestandteil des Kölner Bildungsmodells ist deshalb das begleitende Coaching. Dieses findet während der Teilqualifikationen und bis zu sechs Monate nach Abschluss des letzten Qualifizierungsmoduls statt. Ziel des Coachings ist es, die Teilnehmenden während der modularen Qualifizierung zu unterstützen und zu motivieren sowie private Problemlagen frühzeitig zu erkennen und aufzufangen. Nach der Qualifizierung soll das Coaching die Teilnehmenden in der Bewerbungsphase und beim Erwerbs(wieder)einstieg unterstützen, damit eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt gelingt.

Ablauf des Coachings

Um neben den Qualifizierungs- die individuellen Coachingbedarfe zu identifizieren, durchlaufen die Teilnehmenden des Kölner Bildungsmodells zunächst ein sechswöchiges Profiling. Anschließend werden die Teilnehmenden während der modularen Qualifizierung zwei bis acht Stunden pro Monat gecoacht. Das Coaching wird von Mitarbeitenden der Bildungsträger durchgeführt, bei denen auch die Qualifizierung stattfindet. Gemeinsam gehen Coach und Teilnehmende verschiedene Herausforderungen an. Beispiele konkreter Unterstützung sind:

  • Die Bewältigung privater Krisen, darunter psychische, gesundheitliche oder familiäre Probleme
  • Die Unterstützung der Teilnehmenden bei Behördenangelegenheiten, z. B. bei der Kommunikation mit dem Jobcenter
  • Vereinzelt die Beratung der Teilnehmenden bezüglich Schuldenproblematik oder Wohnungsnot

Außerdem sind die Coaches für organisatorische Aufgaben während der Qualifizierung zuständig. Dazu zählt:

  • Die Organisation von betrieblichen Praxisphasen oder Urlaubszeiten
  • Die Unterstützung bei der Bewerbung für betriebliche Praxisphasen und dem Schließen des zugehörigen Praktikumsvertrags
  • Die Freistellung der Teilnehmenden für Arzt- oder Gerichtstermine
  • Die Erfassung von Fehlzeiten während der Qualifizierung

Wenn Teilnehmende beispielsweise unpünktlich sind oder ohne Krankmeldung nicht zur Qualifizierung erscheinen, obliegt es den Coaches, Kontakt mit den Teilnehmenden aufzunehmen und die Situation zu klären. Dabei sollte das Coaching immer einen Lernprozess bei den Teilnehmenden anstoßen, z. B. das den Teilnehmenden die Relevanz von Zuverlässigkeit für ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis deutlich wird.

Probleme und Handlungsempfehlungen im Rahmen des Coachings

Im Laufe der Pilotphase von KöBi traten vereinzelt Anpassungsbedarfe auf. Einige wenige Teilnehmende waren unzufrieden mit ihrem Coach. Sie beklagten u. a., mangelndes Vertrauen, weil der Coach sich nicht in den Teilnehmenden hineinversetzen konnte. Daher umfasst der Evaluationsbericht die Empfehlung, dass Teilnehmende in solchen Fällen einem anderen Coach zugeteilt werden sollten.

Des Weiteren wurden die Coaches bei den durchführenden Bildungsträgern unterschiedlich eingesetzt. Während einige Coaches Vollzeit in der Funktion als Coach tätig waren, waren andere zugleich auch noch Anleitende in der modularen Qualifizierung. Die Ausführung beider Funktionen war insofern problematisch, dass das Coaching und der Unterricht nicht immer unabhängig voneinander stattfanden. Deshalb hatten die Teilnehmenden teils Schwierigkeiten das begleitende Coaching von der fachlichen Qualifizierung zu unterscheiden.

Außerdem zeigt die Evaluation, dass es Teilnehmenden und Coaches teils schwerfällt, während der betrieblichen Praxisphase, zwischen den Qualifizierungsmodulen und nach Austritt aus dem KöBi den Kontakt zu halten, weil die Teilnehmenden in der Zeit nicht in den Räumlichkeiten des Bildungsträgers präsent sind. Somit ist nicht für jeden Teilnehmenden sichergestellt, dass dieser im Bewerbungsprozess oder bei der Arbeitsaufnahme weiter unterstützt wird. Die Arbeitsverwaltung sollte eine Möglichkeit schaffen, dass das Coaching in diesen Phasen und vor allem nach Abschluss der Teilqualifizierung gewährleistet wird.

Darüber hinaus wurde die Qualität des Coachings zunächst ausschließlich anhand empirischer Befunde durch qualitative Interviews bewertet. Um die Qualität des begleitenden Coachings konzeptionell abzusichern, sollten die Bildungsträger ein trägerübergreifend einheitliches Coachingkonzept umsetzen.

Positive Resultate

Die positive Resonanz des Coachings überwiegt die Negative. Die qualitativen Interviews ergaben, dass im begleitenden Coaching vor allem akute und plötzlich auftretende Probleme gelöst werden konnten. Mehrere Teilnehmende mussten aufgrund von privaten oder gesundheitlichen Problemen die Qualifizierung pausieren. Die Unterbrechungen wurden von den Coaches in der Regel unproblematisch organisiert und die Betreffenden konnten die Qualifizierung ohne Verzögerungen wieder aufnehmen. Außerdem haben einige Teilnehmende ihre Prüfungsängste abbauen können, wobei nicht klar wird, ob die Unterstützung dabei primär von den Coaches oder den Anleitenden ausgeht.

Insgesamt war die Mehrheit der Teilnehmenden mit der Unterstützung durch die Coaches sehr zufrieden. Mehr als 75 Prozent der 135 befragten Teilnehmenden gaben an, dass sie bei persönlichen Problemen unterstützt wurden. Auch wenn die Erfolge des Coachings schwer messbar sind, weist die Evaluation daraufhin, dass ein individuelles Coaching für die Zielgruppe des Kölner Bildungsmodells eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche berufliche Qualifizierung ist.

Eine ausführliche Beschreibung des Projekts und der Ergebnisse des Monitorings enthält der Evaluationsbericht des Kölner Bildungsmodells.

 

Beitrag 1 „Coaching im Rahmen von Arbeitsmarkt- und Qualifizierungsmaßnahmen (1) – Nutzen und Erfolgsgaranten“

Beitrag 2 „Coaching im Rahmen von Arbeitsmarkt- und Qualifizierungsmaßnahmen (2) – Das „Modellprojekt zur Förderung geringqualifizierter Jugendlicher und Erwachsener““



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